Die meisten von euch und Ihnen haben es schon bemerkt. Ich bin wieder zurück in Kleinengstingen. Ja Sebastian, bisch du scho wieder do? hab ich die letzten drei Monate des Öfteren auf der Straße gehört. Ja tatsächlich, so ein Jahr geht ruckzuck vorbei.
Noch mal zur Erinnerung: ein Jahr lang war ich in Südamerika, genauer in Argentinien, um dort meinen Zivildienst zu leisten. Mitten in der Pampa, so heißt das Gebiet dort wirklich, vier Stunden außerhalb der Hauptstadt Buenos Aires habe ich in der kleinen Stadt Urdinarrain im Heim für sozialbenachteiligte Jugendliche gearbeitet. Die dortige Kirchengemeinde besteht größtenteils aus Nachkommen von Russlanddeutschen, gesprochen wird zum Teil noch ein Dialekt der unserem Schwäbisch sehr ähnlich ist. Ansonsten wird in Argentinien Spanisch gesprochen, weshalb ich im Vorfeld in Buenos Aires einen einmonatigen Sprachkurs gemacht habe.
Dann ging es aufs Land und ins Heim wo ich wohnte und arbeitete. Im Hogar de Adolescentes (Jugendheim) sind zwölf junge Männer zwischen 12 und 18 Jahren untergebracht, die entweder keine Familien mehr haben oder in schrecklichen Verhältnissen lebten. Viele von ihnen saßen vorher auf der Straße, waren stark verwahrlost und wurden vom Gericht ins Heim eingewiesen. Im Heim bekommen sie zunächst das was sie am dringendsten brauchen, ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen, Liebe und Unterstützung.
Außerdem werden sie an ein geregeltes Leben gewöhnt, gehen zur Schule und arbeiten im Heim mit. Meine Aufgabe war es ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen, Nachhilfe zu geben, sie bei der täglichen Arbeit, wie waschen, putzen und besonders im Garten und auf der Landwirtschaft zu unterstützen und zu beaufsichtigen.
Das brachte natürlich auch für mich viele neue Erfahrungen wie von Hand zu melken, zu schlachten usw. Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern hatte ich viel Spaß an der Arbeit und konnte eine Menge dazulernen.
Nach einem Jahr wurde mir das Heim in der Pampa zum Zuhause und die Jungs zu meiner Familie, der Abschied im August fiel mir da keineswegs leicht. Aber die Freude des Wiedersehens mit Familie und Freunden machte die Traurigkeit des Abschieds wieder wett.
Sebastian Groß